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Fakten zur Armut

Brot und Lebensmittel !

Die Einwohnerzahl Rüsselsheims beträgt cirka 60.000; der Arbeitslosenanteil beträgt 8,5 % (Stand 31.10.2004). Das sind Zahlen, die nicht außergewöhnlich sind. Dennoch gibt es auch hier Armut in der Stadt; der Anteil der Sozialhilfeempfänger, die mit einem sehr dürftigen Lebensunterhalt auskommen müssen, steigt.


Ernährungsarmut in Deutschland

Je nach Berechnungsmodell leben in Deutschland zwischen fünf und acht Millionen Menschen in (Einkommens-) Armut. Das Einkommen wird zu einem großen Teil für die Absicherung elementarer Lebensbedürfnisse benötigt. Bei einem ohnehin beschränkten Budget können meist nur bei der Nahrung größere Posten eingespart werden. Besonders Haushalte mit geringem Einkommen verzichten auf den Kauf bestimmter Nahrungsmittel. Viele Betroffene leben pro Tag von ca. 4,5 Euro, die für die Zubereitung von Frühstück, Mittag- und Abendessen ausreichen müssen. Als Luxus gilt unter Armen oft schon das, was für die Mehrheitsgesellschaft als Alltagskost gesehen wird. Auf Fleisch wird meist ganz verzichtet. Frisches Obst ist selbst im Sommer noch zu teuer und auch Grundnahrungsmittel wie Milch gehören oft zu den Luxusgütern.

Spricht man sogar von "materieller" Ernährungsarmut ist die Situation noch schwieriger. Dann reicht allein die Menge nicht aus und/oder Qualität und Hygiene der Lebensmittel sind unzureichend. Besonders im letzten Monatsdrittel fällt es vielen schwer, eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen. Die negativen Folgen für die Betroffenen liegen auf der Hand: Hunger, Fehlernährung sowie die Konkurrenz von Nahrungsmitteln zu Genussmitteln wie Alkohol, Zigaretten sowie Drogen ist groß.

Viele Sozialhilfeempfänger schaffen es nur durch extremen Verzicht bis zum Monatsende durchzuhalten. Vielen gelingt es nicht. Sie sind auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen oder hungern. Dies bestätigt, was der Volksmund formuliert: Wer arm ist, lebt mehr oder minder von der Hand in den Mund.


Kinder in Armut:

Kinder-Hilfswerk: "Reformgesetze lassen noch mehr Kinder verarmen"

Die vom Deutschen Kinderhilfswerk als Folge der am 19.12.2003 beschlossenen Reformgesetze befürchtete massive Anstieg der Zahl armer Kinder ist eingetreten. So lebt jetzt jedes zehnte Kind unter drei Jahren in Deutschland in Armut. Dies geht aus dem Report, den das Deutsche Kinderhilfswerk vorstellte (2/2005). Mehr als 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren wachsen in Familien auf, die mit weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen müssen.

Auch der Anteil von Sozialhilfeempfängern bei den Kleinen nehme deutlich schneller zu als bei Erwachsenen, heißt es im Bericht: Er liege mit 6,7 Prozent mehr als doppelt so hoch wie der Anteil der Sozialhilfeempfänger an der Gesamtbevölkerung.

Die Steigerungsrate in Deutschland besonders groß. Die Kinderarmut in Deutschland ist laut Studie stärker angestiegen als in den meisten anderen Industrienationen: Allein in Westdeutschland wuchs der Anteil von 4,5 Prozent 1989 auf 9,8 Prozent 2001. Am niedrigsten ist die Kinderarmut laut Unicef in Dänemark und Finnland. Der Anteil liegt in diesen beiden Ländern unter drei Prozent. Besonders hoch ist der Anteil armer Kinder in den USA. Er beträgt dort über 20 Prozent. Deutschland liegt den Angaben zufolge im Mittelfeld.

Knapp 40 Prozent der Alleinerziehenden sind betroffen. Der Studie zufolge sind Kinder in Deutschland jedoch nicht per se ein Armutsrisiko. Paare mit bis zu zwei Kindern sind demnach nur zu drei Prozent von Armut betroffen. Im krassen Gegensatz dazu stehen Alleinerziehende: Hier müssen beinahe 40 Prozent mit weniger als der Hälfte des Durchschnittseinkommens auskommen. Den stärksten Anstieg von Kinderarmut verzeichneten die Experten in Zuwandererfamilien. Hier hat sich der Anteil in den neunziger Jahren von fünf auf 15 Prozent verdreifacht.

Das Kinder-Hilfswerk spricht von erschreckenden Zahlen, die alle politisch Verantwortlichen zum Handeln herausforderten. Das bestehende Angebot an Hilfen und Einrichtungen für Kinder und Familien sei völlig unzureichend, befand die Organisation. Armut in Deutschland bedeute nicht nur Mangel an Geld: Häufig seien arme Kinder durch ein schlechtes Wohnumfeld, gesundheitliche Belastungen oder fehlende soziale Kontakte beeinträchtigt. Sie sind krankheitsanfälliger und haben eine kürzere Lebenserwartung als solche Kinder, die in gut situierten Familien aufwachsen.

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